Video-Dates auf Distanz: Zeit zu zweit, auch wenn ihr nicht am selben Ort seid
Ihr habt schon erzählt, wie der Tag war, was bei der Arbeit los ist und was morgen ansteht. Jetzt schaut ihr euch noch eine Weile auf dem Bildschirm an. Auflegen möchtet ihr eigentlich nicht. Aber worüber könntet ihr noch reden?
Auf Distanz gewöhnt man sich leicht daran, vom Leben zu berichten, das zwischen den Gesprächen stattfindet. Dabei möchte man manchmal einfach wieder etwas zusammen erleben: über denselben Unsinn lachen, Musik hören oder der Person nah sein, die einem fehlt. Dafür braucht es kein besonderes Abendprogramm. Hier sind ein paar Ideen für den Anfang.
Manchmal passt ein geplantes Date gerade nicht so gut: Eine Person hat noch jede Menge Energie, die andere möchte am liebsten schon unter der Decke liegen. Das könnt ihr herausfinden, bevor ihr eine halbe Stunde lang einen Film aussucht.
„Ich hätte heute Lust, ein bisschen zu lachen. Wie klingt das für dich?“ Oder: „Zum Reden fehlt mir gerade fast die Kraft, aber ich würde dich gern sehen.“
So könnt ihr gemeinsam überlegen, was heute passt. Vielleicht wird es ein Spiel. Vielleicht eine Tasse Tee und ein paar Worte vor dem Schlafengehen. Gerade wenn die Energie knapp ist, muss sie nicht auch noch dafür draufgehen, die Stimmung der anderen Person zu erraten.
Die Frage „Was gibt’s Neues?“ kann einen ganz schön überrumpeln. Eigentlich nichts: Arbeit, unterwegs sein, einkaufen. Doch vielleicht war da zwischendurch etwas, das ihr ausgerechnet diesem einen Menschen zeigen wolltet.
Zeigt ein Foto von einem lustigen Schild, das Buch, das ihr endlich angefangen habt, oder eine ungewöhnliche Anschaffung. Erzählt, was euch daran angesprochen hat. „Wenn ich das sehe, muss ich sofort an unsere Reise denken“ bringt oft mehr Gesprächsstoff als eine genaue Aufzählung aller Erledigungen.
Vielleicht bringt ihr ab und zu so einen kleinen Fund mit in den Anruf. Ohne tägliche Aufgabe oder Fotopflicht. Einfach tagsüber kurz denken: „Oh, das möchte ich dir zeigen.“
Auch ein kurzes Video eignet sich zum gemeinsamen Anschauen: ein lustiger Ausschnitt, ein Musikvideo aus eurer Jugend oder ein Trailer, über den gerade das ganze Internet diskutiert. Ihr könnt es gleichzeitig starten und danach einfach weiterreden, wenn sich daraus ein Gespräch ergibt.
Wenn ihr einen Film auswählt, klärt am besten gleich, wie ihr gern schaut. Jede Szene kommentieren? Ab und zu pausieren? Erst zu Ende schauen und dann darüber reden? Diese kleine Absprache hilft, damit nicht eine Person Witze macht, während die andere ständig Dialoge verpasst.
Und es müssen keine tiefgründigen Fragen zur Handlung sein. „Wer geht denn bitte in so ein Haus?“ oder „Warum haben die so eine schreckliche Küche?“ reichen völlig für einen schönen Abend. Manchmal wird gerade aus einem beiläufigen Kommentar euer nächster gemeinsamer Insider.
Für ein Spiel beim Videoanruf können Papier und Stift genügen. Zeichnet aus dem Gedächtnis ein Zimmer, in dem ihr einmal zusammen gewohnt habt, und zeigt euch die Bilder. Erratet ein Lied anhand weniger gesummter Töne. Nennt abwechselnd Orte und überlegt, wo ihr gern einen Abend verbringen würdet.
Eine andere Idee: Jede Person sucht zu Hause einen Gegenstand mit einer Geschichte. Ihr zeigt ihn einander und versucht zu erraten, woher er kommt und warum er noch da ist. Selbst eine vertraute Tasse kann ein Erinnerungsstück an etwas sein, von dem ihr noch nie erzählt habt.
Sucht euch ein Spiel aus und schaut, ob es euch Spaß macht. Eine missglückte Zeichnung oder ein vergessener Liedtext können genauso dazugehören. Punkte und die Frage, wer gewinnt, braucht es nur, wenn ihr es damit spannender findet.
Auch den gemeinsamen Alltag kann man vermissen. Ein Gespräch, während jemand einen Apfel schneidet. Nebeneinandersitzen und jeweils etwas Eigenes machen. Ein bisschen davon lässt sich manchmal in einen Videoanruf holen.
Stellt das Handy ins Regal, während ihr Dinge wegräumt, Pflanzen gießt oder zeichnet. Wenn ihr Lust und die Möglichkeit habt, könnt ihr etwas kochen oder vor dem Bildschirm zu Abend essen. Zeigt euch, was heute auf euren Tellern liegt, und erinnert euch an euer Lieblingsessen zu zweit.
Fragt vorher kurz: „Magst du mir Gesellschaft leisten, während ich hier ein bisschen herumräume?“ So ist klar, dass beschäftigte Hände nicht bedeuten, dass die Aufmerksamkeit weg ist. Und wenn ihr heute lieber in Ruhe reden und einander dabei ansehen möchtet, könnt ihr das genauso offen sagen.
Bei einem kurzen Anruf kommt leicht Eile auf: Das wollte ich noch fragen, davon wollte ich noch erzählen. Dabei ist das Wichtigste vielleicht schon ganz nebenbei gefallen: „Heute war irgendwie ein schwerer Tag.“
Ihr könnt dabei bleiben: „Magst du erzählen?“ Hört euch die Antwort an, ohne sofort einen Rat oder eine ähnliche eigene Geschichte zu suchen. Und wenn ihr nicht wisst, was gerade gebraucht wird, fragt: „Möchtest du es dir von der Seele reden oder zusammen überlegen, was du tun könntest?“
Auch Schönes verdient diesen Raum. Fragt nach einem kleinen Erfolg, der leicht übersehen werden könnte. Lasst euch zeigen, was gelungen ist. In einem ganz normalen Gespräch darf Platz sein für Stolz, Traurigkeit und auch für „Darüber möchte ich gerade noch nicht reden“.
Mit der Zeit entstehen eigene kleine Gewohnheiten: den lustigsten Moment des Tages teilen, vor dem Abschied ein Lied abspielen, ein Foto der Woche auswählen oder eine Serie weiterschauen, die ihr nur gemeinsam seht.
Oft entsteht so etwas zufällig. Einmal war es schön, und ihr möchtet es wiederholen. Dafür müsst ihr nicht gleich einen festen Termin vereinbaren oder dem Ganzen einen Namen geben.
Wenn eure freien Zeiten selten zusammenpassen, kann diese kleine Verbindung auch zwischen den Anrufen bestehen bleiben. Schickt ein Lied mit ein paar Worten dazu, warum es euch an euch beide erinnert. Erzählt in einer Sprachnachricht von einer lustigen Kleinigkeit. Die Antwort darf warten, bis sich eine Gelegenheit ergibt.
Manchmal zieht sich ein Anruf, weil es schwerfällt, als erste Person zu sagen, dass es Zeit zum Ausruhen ist. Ihr gähnt schon, sucht aber weiter nach einem Thema, als könnte ein kürzerer Abend jemanden verletzen.
Da helfen einfache Worte: „Es war schön mit dir. Und jetzt würde ich gern schlafen.“ Oder ihr greift einen konkreten Moment auf: „Ich muss immer noch über deine Zeichnung lachen.“
Wenn ihr wisst, wann ihr wieder reden könnt, verabredet euch. Wenn nicht, darf es offenbleiben. Ein „Ich freue mich darauf, dich bald wiederzusehen“ genügt auch.
Wenn das Date anders laufen muss als geplant
Ob ein Anruf klappt, kann von Dingen abhängen, die ihr euch nicht ausgesucht habt: unterschiedlichen Zeitzonen, einer instabilen Verbindung oder einem fehlenden ruhigen Ort. Vielleicht hat eine Person von euch gerade auch keine vierzig freien Minuten am Stück.
Für solche Fälle hilft eine einfache Absprache: Ihr könnt ohne Video weitersprechen, später schreiben oder das Treffen verschieben. Wenn die Verbindung plötzlich abbricht, sagt das allein nichts über die Gefühle eines Menschen aus. Ein kurzes „Heute klappt es nicht, ich melde mich, sobald ich kann“ kann helfen, wenn es sich schicken lässt. Euer Wohlbefinden und eure Sicherheit gehen vor.
Manchmal ist ein ausgefallener Abend trotzdem enttäuschend. Ihr könnt jemanden vermissen und gleichzeitig Verständnis für die Umstände haben. Nicht jede Enttäuschung muss sofort mit einem neuen Plan aufgefangen werden.
Was ihr beim nächsten Anruf ausprobieren könnt
Überlegt, was euch gerade fehlt. Ihr möchtet mehr zusammen lachen? Sucht ein kurzes Video. Ihr vermisst den gemeinsamen Alltag? Verabredet euch zu einem Tee. Ihr konntet schon länger nicht mehr in Ruhe miteinander reden? Fangt mit genau diesem Wunsch an.
Und dann darf der Plan sich ändern. Ihr schaut den Film nicht zu Ende, aus dem Spiel wird ein Gespräch, der Tee wird kalt. Der Abend kann sich trotzdem genau nach der gemeinsamen Zeit anfühlen, die euch gefehlt hat.